Wein probiert Kunst: Designerin liebt Experimente

Westdeutsche Zeitung, 4. August 2005

"Kunst ohne Menschen taugt nicht", sagt Anke Büttner und geht dahin, wo Leute sind: ins Restaurant. Doch die Menschen kommen auch zu ihr in die Malschule.

Von Manfred Görgens

Das "tiefe Sauerland" hat eine Karriere, zumindest in Nordrhein-Westfalen: Was wäre besser geeignet, als Fanal für das Hinterwäldlerische zu stehen? Darum auch entschuldigt Anke Büttner ihren Heimatort Werdohl, wo sie 1965 geboren wurde, mit einer sauerländischen Randlage. Weil es sich dort so schlecht studieren lässt, kam sie 1986 nach Wuppertal und legte hier 1991 ihr Diplom als Designerin ab. Als Unternehmensberaterin im Bereich Design und Marketing für eine Solinger Firma verband sie zwei ihrer Interessen: wirtschaftsnahes Arbeiten und den Umgang mit Menschen. Stärken entdecken und entwickeln, das maßgeschneiderte Profil anlegen.
Da ein solcher Job nicht zwingend eine Festanstellung erfordert, wechselte Büttner 1999 zur freiberuflichen Arbeit als Designerin und Bildende Künstlerin ebenso wie als Beraterin, etwa für Layouts, Logos oder Geschäftspapiere. Doch "Kunst ohne Menschen taugt nicht", und so übernahm sie 2003 von ihrer Kollegin Barbara Held die Cronenberger Malschule, die seit ihrem Umzug zu Jahresbeginn an der Bayreuther Straße 52a eine Elberfelder Malschule ist.
Größer und heller sei der Raum in der alten Fabrik, in jedem Fall ein Gewinn für ihr Schaffen. Schon während ihres Studiums für das Jugendamt Wuppertal tätig, richtet Büttner den Fokus auch im Unterricht auf Kinder und Jugendliche, die in kleinen Gruppen künstlerische Techniken erlernen. Sie selbst findet es überaus spannend, die Entwicklung der Schüler zu verfolgen, zu sehen, wie sie ein authentisches Bild finden, unter das sie später mit aller Zufriedenheit "meines" schreiben können.
Viel Materialerfahrung sei gerade bei den Jüngeren erforderlich, sagt Büttner und wendet die Erkenntnisse natürlich auch auf das eigene künstlerische Schaffen an. Der zeichnerische Bereich blieb stets ihr größtes Anliegen, hier hat sie farbexpressive Akte mit kräftigen Buntstiften auf rotem Karton angelegt, um der Frage nachzuspüren, wo eine Schwelle zum Schmerz überschritten wird. Eher illustrativ wirken jene Figuren, die in eine Szene eingebunden scheinen. "Kurze Situation und Schnitt", so umreißt Büttner diese Bilder. Die angefangene Geschichte, etwa eine Frau im Bikini vor einer Bühnenlampe, wird vom Betrachter ergänzt.
Indem die Bilder für sich stehen, unterscheiden sie sich von Illustrationen. Und doch illuminiert Büttner, so bei einer Ausstellung im Elberfelder Restaurant Ralf Müller, als sie zu einer erotischen Lesung und passender Speise geeignete Bilder auswählte. Ab dem 11. September wird sie ein solches Experiment im Rahmen von "Wein probiert Kunst" in der Wuppertaler Weinquelle Hornig wiederholen.
Anmeldung zu Kursen für Jugendliche (15. bis 19. August) unter Telefon 262 23 87.