Bunker-Kunst: Eine Welt tief in der Erde

Westdeutsche Zeitung, 15. November 2011

 

13 internationale Künstler belebten für einen Abend den Bunker am Döppersberg.


von Manfred Görgens

 

Kalter Wind pfeift um die Ecken und kündigt den Winter an. Zur frostigen Atmosphäre passen die Stahlkäfige an der Bushaltestelle Döppersberg. Einer davon ist geöffnet und gibt Gelegenheit, über eine Treppe in die Tiefe abzusteigen, wo farbiges Licht, Klänge und Wärme in ein verwirrendes System von Gängen und Räumen locken. Tief in der Erde scheint sich eine eigene Welt etabliert zu haben.

1942, ein Jahr vor den Luftangriffen auf Wuppertal, war an dieser Stelle ein Bunker für gut 1000 Menschen angelegt worden. Noch Jahre nach dem Krieg diente er als Notunterkunft. Das abweisende und doch faszinierende Ambiente des Kellersystems animierte 13 international agierende Künstler zu einer gemeinsamen Aktion am vergangenen Freitag.

Nusara Mai-ngarm, gebürtige Thailänderin, die heute in London lebt, hat mit dem Musiker Justin Sebastian das Projekt kuratiert - und mit zwei Tanz-Performances zur Musik vom Handy einen wesentlichen Teil der Aktion bestritten. Das Publikum - offenkundig nicht nur Wuppertaler - war Bestandteil des Gelingens, denn die Weitläufigkeit des Bunkers forderte mehr, als 13 Künstler mit ihren Arbeiten zu füllen vermochten. Es blieb - nicht negativ zu verstehen - eine Darbietung von Überraschungseffekten.

In einem Raum scharten sich Besucher um den Musiker Orson Sieverding, im anderen zeigte Henrietta Hall ihr Video von einer britischen Militärparade. Wuppertaler Beiträge waren unter anderem Bilder von Klaus Jansen und Anke Büttner. Was bei allem besonders faszinierte, war die Abstimmung auf den Ausstellungsraum und seine mahnende Geschichte.